Viele besorgte Bürger waren gespannt auf die heutige Ratssitzung: Ging es doch um die Bluttat in Haan, in der ein jugendlicher Syrer zwei deutsche Brüder brutal mit einer abgebrochenen Bierflasche attackiert und verletzt hatte; einen davon lebensgefährlich. Viele Parteien hatten dazu mehr oder weniger gleichlautende Anfragen an die Stadt gestellt. Die antwortete schriftlich: Weitschweifig, aber nichtssagend. Was man vergeblich in dem städtischen Konvolut sucht: Irgendeine Geste des Bedauerns oder des Mitleids mit den Opfern. Stattdessen versteckt man sich hinter allgemeinen Vorschriften und den Datenschutz. Kein Wort davon, was der Übeltäter schon alles auf dem Kerbholz hatte: Datenschutz! Und an dem angeblichen Alter von 13 Jahren hätte es keinen begründeten Zweifel gegeben, der eine medizinische Untersuchung gerechtfertigt hätte. Wörtlich: „Der Datenschutz in der Sozialen Arbeit ist zum Schutz von Kindern und Jugendlichen, auch von kriminalitätsgefährdeten Jugendlichen, gesetzlich normiert worden. Jugendhilfe und Familiengericht sind ausschließlich dem Wohl des kriminalitätsgefährdeten Kindes verpflichtet.“
Makaber: Das Attribut „kriminalitätsgefährdet“ ist auf die Täter gemünzt, nicht auf die Opfer. Die interessieren nicht. Weiter im Text: „Das Haaner Jugendamt prüft alle die ihm zur Verfügung stehenden erzieherischen Hilfen.“ Aha. Also gutes Zureden zu den Eltern des Bengels. Zeugen beschrieben den Täter übrigens als hochgewachsen, maskulin und adult ausgeprägt. Vom Anschein hätte er auch deutlich älter als die jetzt im Raum stehenden 14 Jahre sein können. Aber offenbar wollten und wollen es die Behörden gar nicht so genau wissen.
Die Krönung kam dann allerdings in der Ratssitzung. Die AfD hatte nämlich gar keine Anfrage wie die anderen Parteien gestellt. Das wurde nun zum Gegenstand der Kritik. Die AfD würde sich nicht an Debatten beteiligen!! Man höre und staune. Tatsächlich musste sich der einzige Vertreter der AfD im Stadtrat genau heute einer lebenserhaltenden Operation unterziehen. Aber das Sahnehäubchen wurde von SPD-Mann Niklas gesetzt: Nach der sattsam bekannten Stänkerei gegen die nicht anwesende AfD und diesmal auch gegen die CDU kam eine besondere Pointe: Er relativierte die syrische Bluttat in Haan mit Verweis auf den Messerangriff einer psychisch kranken „biodeutschen“ Frau auf drei Muslime. Und außerdem bräuchten wir Zuwanderung für die Wirtschaft. – Das war endgültig zu viel für Christin, die Mutter der beiden Opfer des Syrers: Unter Tränen stürmte sie von der Zuschauertribüne hinaus ins Freie.
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